Fachgruppe Ornithologie Niesky

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Von Hans Blümel
Am Bahnhof 138, 02906 Mücka
Veröffentlicht am 20. Mai 2006, Sächsische Zeitung
Fotos: Hans Blümel

Frösche sind nicht das Liebste

Bei der Untersuchung von toten Störchen kam heraus, dass ihre Nahrung viel abwechslungs- reicher ist als viele Leute denken.

Nun sind unsere Weißstörche wieder da. Bei Nest- bau, Brüten, Klappern und Nahrungssuche auf Wiesen und Feldern können wir sie beobachten.

Was mögen sie mit ihrem langen, spitzen Schnabel alles so erbeuten, wenn diese großen Vögel mit langen Schritten das Gelände pickend absuchen und einen Bissen nach dem anderen verschlingen?
Ornithologen, die sich mit der Ernährungsweise des Weißstorches befassen, können nur mühsam über lange Zeit durch Beobachtung oder durch Totfunde einzelne Fakten für ein fundiertes Gesamt- bild sammeln. Der bekannte Oberlausitzer Ornithologe Dr. G. Greutz hat in der Vergangenheit einereits selbst durch eigene Beobachtungen zur Ernährungsweise des Weißstorches beigetragen, andererseits aber auch die vielen in der Literatur weit verstreuten Beobachtungen gesammelt und zu einem Gesamtbild zusammengefügt. Dadurch sind wir trotz der oben erwähnten Schwierigkeiten über die Ernährung des Weißstorches verhältnismäßig gut unterrichtet.
Der Weißstorch erbeutet seine Nahrungstiere schreitend. Dabei späht er unablässig nach rechts und links und sammelt von Pflanzen und vom Boden allerlei Kleingetier auf.
Kleine Käfer, Würmer oder Insektenlarven verschlingt der Storch sofort, große dagegen erfasst er mit der Schnabelspitze, wobei sie zerdrückt werden. Bei Mäusen und Maulwürfen erfolgt oft eine Behandlung nach Katzenart. Dabei stößt er mit dem Schnabel nach Ihnen, packt sie und lässt sie auch wieder los. Ist er dann zum Abschlucken bereit, wirft er sie hoch und fängt sie mit geöffnetem Schnabel wieder auf um sie sofort zu verschlingen.
Wichtig ist die Gleitfähigkeit der Beutetiere. Diesbezüglich wenig Probleme bereiten Frösche, Schlangen und auch Insekten. Tiere mit einem Fell dagegen rutschen schlecht in der Speiseröhre. Sie werden zum Wasser getragen, mehrfach eingetaucht und dann verschlungen.
Erbeutete Nahrungstiere bringt der Storch niemals im Schnabel zu den Jungen im Horst, sondern stets im Schlund. Die Übergabe der Nahrung erfolgt dann nicht in den Schnabel der Jungen, vielmehr wird diese in die Horstmulde gewürgt und von den Jungen selbstständig aufgenommen.
Sehr aufschlussreich über die Nahrung des Weißstorches sind Magenuntersuchungen von toten Vögeln. So ergab die Untersuchung von 17 Mägen folgende Zusammensetzung von Nahrungstieren: elf Maulwürfe, 66 Mäuse, mehrere Schlangen und Blindschleichen, mehr als 20 Eidechsen, zwei Frösche, einige hundert Käfer und Engerlinge, viele Maulwurfsgrillen und Heuschrecken, eine halbe Ratte, drei Küken, die mit dem Mist auf das Feld getragen wurden, ein Stück Huhn, Schuhleder und ein Holzstück von etwa vier Zentimeter Länge.
Die Aufzählung der Beutetiere zeigt uns, dass der Weißstorch ein breites Nahrungsspektrum aufweist. Auch Regenwürmer gehören dazu. Nur kann man diese in einem Magen aufgrund der raschen Verdauung schlecht nachweisen. Beobachtungen aber haben ergeben, dass diese im Früh- jahr bei der Ankunft aus dem Winterquartier eine große Rolle spielen und auch später bei der Fütterung der noch kleinen Jungvögeln. Weiterhin fällt auf, dass Frösche verhältnismäßig wenig und Kröten recht selten oder gar nicht verspeist werden.
Auch Vögel als Nahrungstiere spielen beim Weißstorch nur eine eher untergeordnete Rolle. Bei den Untersuchungen der Mägen wurden lediglich vereinzelt junge Rebhühner, Fasanen und Feldlerchen gefunden. Beobachtungen haben ergeben, dass diese nur dan vom Storch gefangen werden, wenn er diesen zufällig begegnet. Eine direkte Jagd auf Vögel findet nicht statt.