Fachgruppe Ornithologie Niesky

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GĂ€stebuch

Durch Beringung die heimische Vogelwelt erforschen
Jens Teich aus Niesky hat schon fĂŒr die Vogelwarte Hiddensee tausende Vögel beringt

Hans BlĂŒmel, Am Bahnhof 138, 02906 MĂŒcka,
E-Mail:
h.bluemel@t-online.de

Veröffentlicht am 04.04..2003, SÀchsische Zeitung

Jens Teich beim Beringen eines Gimpels,
Foto: H. BlĂŒmel

Es ist August. In einer GebĂŒschschneise steht ein 8 Meter langes Fangnetz. Es wird aller 20 Minuten durch Jens Teich kontrolliert. Mehrere Rotkehlchen konnte er bereits fangen und augenblicklich sogar eine DorngrasmĂŒcke. Solches Treiben gehört zum Alltag eines Beringers. Ist der Ring am Fuß des Vogels angelegt, die eingeprĂ€gte Nummer, die Vogelart, ihr Alter, das Geschlecht, das Datum, der Ort notiert, dann werden noch das Gewicht und die FlĂŒgellĂ€nge festgestellt und ebenfalls schriftlich fest gehalten. Nun kann der Vogel wieder in die Freiheit fliegen. Viele der Daten werden gebraucht, wenn der befiederte SĂ€nger mit dem Ring eines Tages wieder in menschliche HĂ€nde gelangt. Nun lassen sich Beringungsort und Fundort vergleichen, das Datum des Fundes gibt Auskunft ĂŒber das erreichte Alter, Zugwege können rekonstruiert werden und vieles mehr. Bei der Erforschung der Vogelwelt ist die Beringung seit ĂŒber 100 Jahren ein unentbehrliches Hilfsmittel.
Jens Teich ist ein leidenschaftlicher Beringer. 1986 hat er mit dieser TĂ€tigkeit begonnen. So ohne weiteres geht das aber nicht. Man benötigt eine Beringungserlaubnis. Die erhĂ€lt nur der, der nachweisen kann, dass er bereits mindestens ein Jahr mit einem Beringer zusammengearbeitet hat. Bei einem einwöchigen Lehrgang geht es neben praktischen TĂ€tigkeiten um rechtliche Grundlagen und knifflige Unterscheidungsmerkmale bei bestimmten Vögeln. Die Beringungserlaubnis wird zunĂ€chst fĂŒr 5 Jahre erteilt und muss danach wieder neu beantragt werden.
Inzwischen ist Jens Teich bereits das achtzehnte Jahr Beringer. In dieser Zeit hat er 16 800 Vögeln einen Ring angelegt. Bedenkt man dabei den schriftlichen und zeitlichen Aufwand, dann wird deutlich, dass diese ehrenamtliche TĂ€tigkeit eine hohe Einsatzbereitschaft verlangt. Er sagt selbst dazu: „Wenn am Stausee Quitzdorf oder anderswo Ausgang des Sommers Brachvögel, WaldwasserlĂ€ufer oder AlpenstrandlĂ€ufer rasten, dann muss man möglichst bald mit Netz und Gummistiefeln aufbrechen, weil nur wenige Tage spĂ€ter alles vorbei sein kann“.
Die bisher erzielten Beringungen sprechen eine eigene Sprache: Beispielsweise 1356 Uferschwalben, 1293 davon mit dem Netz gefangen, 1258 TeichrohrsĂ€nger, davon 1081 im Netz gefangen, 401 Rohrweihen, 400 davon als Jungvögel im Nest beringt. Doch Jens Teich gehört nicht zu jenen, die den hohen StĂŒckzahlen hinterher jagen. 2 Wespenbussarde, 1 Sterntaucher, 5 SichelstrandlĂ€ufer, 1 Rotmilan und 10 RaubwĂŒrger begeistern einen Ornithologen ebenso.
Ist schon die Beringung vielfach aufregend und spannend, so sind es die Ringwiederfunde nicht minder. Sie sind der eigentliche Lohn fĂŒr die aufgewendete Zeit. Einige Beispiele sollen das verdeutlichen: Eine am 2. August 2002 an der Talsperre Quitzdorf beringte Bekassine wurde am 5. September 2002 bei St. Martin de Seignanx in Frankreich geschossen. Sie trug den Ring 34 Tage und hatte mit ihm 1481 km zurĂŒckgelegt. In einem anderen Fall ging  ein BruchwasserlĂ€ufer am 29. Juli 2002 am Tauerwiesenteich bei Förstgen ins Netz. 9 Tage spĂ€ter wurde er bei Mailand gefangen und kontrolliert. Das waren 759 km vom Beringungsort entfernt.
Jens Teich beringte einen TeichrohrsĂ€nger am 16. Juli 1994 am Tauerwiesenteich bei Förstgen, am 17. Juli 2002 konnte er den Vogel am gleichen Ort nach 8 Jahren wieder fangen. „Beeindruckend sind hier“, so Jens Teich voller Begeisterung, „das hohe Alter, die Ortstreue eines Zugvogels, der den Winter ĂŒber in Afrika weilt und punktgenau sein Brutgebiet wieder findet“.
Das Bild von Jens Teich wĂŒrde eine erhebliche LĂŒcke aufweisen, wĂŒrde man unerwĂ€hnt lassen, dass seine ehrenamtliche TĂ€tigkeit ohne jegliche finanzielle EntschĂ€digung erfolgt. Beringer tragen alle materiellen Aufwendungen selbst.

Schon gewusst?
1899 beringte der dĂ€nische Lehrer H. C. C Mortensen 165 im Herbst gefangene Stare. Er wollte damit die Wanderwege dieser Vögel aufklĂ€ren. Dies war das Geburtsjahr der wissenschaftlichen Vogelberingung.

Die Ringe, die zur Zeit zur Markierung verwendet werden, sind noch so beschaffen, wie sie Mortensen vor mehr als hundert Jahren herstellte. Damals geschah das per Hand, heute dagegen maschinell.

Vogelringe bestehen aus Aluminium, bei grĂ¶ĂŸeren Vögeln teilweise auch aus Edelstahl. Sie sind sehr leicht. Untersuchungen haben ergeben, dass beringte Vögel in ihrer Lebensweise nicht beeintrĂ€chtigt werden.

Einige Zugvögel vollbringen erstaunliche Leistungen. So fliegen Bienenfresser und Falken aus Vorderindien ĂŒber 3000 km ĂŒber offenes Meer bis nach Afrika. Eine Bekassinenart aus Japan fliegt in 48 Stunden bis in das 6000 km entfernte Australien.

Beringte Vögel werden auch gewogen und am FlĂŒgel vermessen,
Foto: H. BlĂŒmel