Fachgruppe Ornithologie Niesky

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Besonders im Winter ist der Turmfalke ein Ansitzjägerer.
Foto: H. Blümel

Der Turmfalke ist Vogel des Jahres 2007

In Mitteleuropa zählt nach dem Mäusebussard der Turmfalke zu den häufigsten Greifvögeln. Für Deutschland schätzt man 34 000 Brutpaare.Das Höchstalter liegt bei 16 Jahren.

Hans Blümel
Sächsische Zeitung vom 05. März 2007

Der Turmfalke zählt in seinem Verbreitungsgebiet (Europa, Asien, Afrika) zu den häufigen Greifvögeln. Sein Bestand wird weltweit auf ein bis zwei Millionen Brutpaare geschätzt. Davon leben in Europa 290 000 bis 490 000 und in Deutschland etwa 34 000 Paare. Weltweit betrachtet, kommen in Deutschland etwa 2,5 % der Turmfalken vor. Nimmt man den europäischen

Bestand, dann sind es im Mittel etwa 9 %. Damit haben wir in Europa keine geringe Verantwortung für die Erhaltung des Turmfalken. Bezieht man in diese Betrachtungsweise das Bundesland Sachsen mit ein, dann brüten bei uns etwa 10 % des deutschen Bestandes. Damit liegen wir über dem allgemeinen Durchschnitt.
Als Brutgebiet bevorzugt der Turmfalke bei uns Siedlungsbereiche des Menschen. Hier nistet er in Nischen an hohen Gebäuden (Kirchen, Industriegebäude, Schulen, mehrstöckige Plattenbauten und ältere Mehrfamilienhäuser). Außerhalb von Ortschaften werden in Feldgehölzen und an Waldrändern gern Tauben- und Krähennester bezogen, im Gebirge sind es Felslöcher.
Als Jagdgebiet benötigt der Turmfalke offene Landschaften: Wiesen, Felder, Ruderalflächen. Fehlen diese, beispielsweise wie in geschlossenen Wäldern, dann wird man vergeblich nach dem Vogel des Jahres suchen.
Nicht immer liegen Brutgebiet und Jagdgebiet dicht beieinander. Das macht dem fluggewandten Turmfalken nicht viel aus. Etwa drei Kilometer nehmen die guten Flieger in Kauf, um an ihre Beute zu kommen. Sie besteht zu 80 % aus Kleinsäugern (Feldmaus, Rötelmaus, Spitzmaus, Maulwurf und Wühlmaus). Weit dahinter folgen Singvögel (etwa 9 %), Käfer (7%), Heuschrecken (4 %). Von diesem Beutespektrum lässt sich schlussfolgern, wie wichtig für den Turmfalken Wiesen und Felder sind. Ohne diese könnte er nicht zu den erwähnten Beutetieren kommen. Je nach den örtlichen Gegebenheiten schwankt natürlich die prozentuale Zusammensetzung der Nahrung. So wird beispielsweise ein Turmfalke inmitten von Görlitz seinen Jungen mehr Haussperlinge bringen als einer, der in einem Feldgehölz bei Kodersdorf ein Nest bezogen hat. Für den kleinen Greifvogel werden dann Feldmäuse zu seinem „täglichen Brot“.
Soll ein Lebewesen geschützt werden, dann steht die Sicherung der Ernährung weit vorn. Geht es um den Turmfalken, dann ist in diesem Fall die Landwirtschaft mehr gefragt als an anderer Stelle. Turmfalken brauchen offene Landschaften, die ohne Pestizide und Insektizide bewirtschaftet werden, in denen kleine Feldgehölze, breite Acker- und Wegränder den Lebensraum abwechslungsreich gestalten und den Beutetieren eine optimale Entwicklung garantieren.
Der Turmfalke ist ein Kulturfolger. Selbst in Großstädten, wie beispielsweise in Berlin und Chemnitz, erreicht er eine hohe Siedlungsdichte. So schwankt in Berlin der Bestand zwischen 200 und 300 Brutpaaren, in Chemnitz sind es 90 bis 120 Brutpaare. Besonders in den Städten tritt zunehmend durch Gebäudesanierungen und -abrisse ein Mangel an Nistplätzen auf. Dem kann man entgegenwirken durch den Einbau von Nisthilfen in öffentlichen Gebäuden wie Kirchen, Schulen oder Industriebauten.
Abschließend sei erwähnt, dass augenblicklich der Turmfalkenbestand stabil ist. Doch Sorglosigkeit ist wohl fehl am Platze. In der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands aus dem Jahr 2002 ist vermerkt, dass von 1975 bis 1999 in Baden-Württemberg der Bestand des Turmfalken  um mehr als 50 % zurückgegangen ist. Eine Abnahme um mehr als 20 % gab es in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen. Eine Zunahme des Bestandes um mehr als 20 % ist nur für Berlin vermerkt.

Schon gewusst?

Turmfalken
sind die häufigsten Greifvögel Europas. Wahrscheinlich wegen ihrer geringen Größe haben sie unter menschlicher Verfolgung am wenigsten zu leiden. Anders ergeht es dem stattlichen Wanderfalken, der besonders für die Beizjagd abgerichtet wird.

Ein Turmfalke braucht pro Tag etwa die Nahrungsmenge von zwei Feldmäusen.

Für die deutschen Turmfalken beginnt die Brutzeit Anfang April, gelegt werden 4 bis 6 Eier, die Bebrütung des Geleges dauert 27 bis 31 Tage. Nach 27 bis 32 Tagen sind die Jungen flugfähig. Der älteste beringte Turmfalke wurde 16 Jahre, das Durchschnittsalter liegt bei zwei Jahren.

An Gebäuden angebrachte Nistkästen werden gern bezogen. Untersuchungen haben ergeben, dass in diesen der Bruterfolg besonders hoch ist.