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Bestand, dann sind es im Mittel etwa 9 %. Damit haben wir in Europa keine geringe Verantwortung für die Erhaltung des Turmfalken. Bezieht man in diese Betrachtungsweise das Bundesland Sachsen mit ein,
dann brüten bei uns etwa 10 % des deutschen Bestandes. Damit liegen wir über dem allgemeinen Durchschnitt. Als Brutgebiet bevorzugt der Turmfalke bei uns Siedlungsbereiche des Menschen. Hier nistet er in
Nischen an hohen Gebäuden (Kirchen, Industriegebäude, Schulen, mehrstöckige Plattenbauten und ältere Mehrfamilienhäuser). Außerhalb von Ortschaften werden in Feldgehölzen und an Waldrändern gern Tauben- und
Krähennester bezogen, im Gebirge sind es Felslöcher. Als Jagdgebiet benötigt der Turmfalke offene Landschaften: Wiesen, Felder, Ruderalflächen. Fehlen diese, beispielsweise wie in geschlossenen Wäldern, dann
wird man vergeblich nach dem Vogel des Jahres suchen. Nicht immer liegen Brutgebiet und Jagdgebiet dicht beieinander. Das macht dem fluggewandten Turmfalken nicht viel aus. Etwa drei Kilometer nehmen die guten
Flieger in Kauf, um an ihre Beute zu kommen. Sie besteht zu 80 % aus Kleinsäugern (Feldmaus, Rötelmaus, Spitzmaus, Maulwurf und Wühlmaus). Weit dahinter folgen Singvögel (etwa 9 %), Käfer (7%), Heuschrecken (4
%). Von diesem Beutespektrum lässt sich schlussfolgern, wie wichtig für den Turmfalken Wiesen und Felder sind. Ohne diese könnte er nicht zu den erwähnten Beutetieren kommen. Je nach den örtlichen Gegebenheiten
schwankt natürlich die prozentuale Zusammensetzung der Nahrung. So wird beispielsweise ein Turmfalke inmitten von Görlitz seinen Jungen mehr Haussperlinge bringen als einer, der in einem Feldgehölz bei Kodersdorf
ein Nest bezogen hat. Für den kleinen Greifvogel werden dann Feldmäuse zu seinem „täglichen Brot“. Soll ein Lebewesen geschützt werden, dann steht die Sicherung der Ernährung weit vorn. Geht es um den
Turmfalken, dann ist in diesem Fall die Landwirtschaft mehr gefragt als an anderer Stelle. Turmfalken brauchen offene Landschaften, die ohne Pestizide und Insektizide bewirtschaftet werden, in denen kleine
Feldgehölze, breite Acker- und Wegränder den Lebensraum abwechslungsreich gestalten und den Beutetieren eine optimale Entwicklung garantieren. Der Turmfalke ist ein Kulturfolger. Selbst in Großstädten, wie
beispielsweise in Berlin und Chemnitz, erreicht er eine hohe Siedlungsdichte. So schwankt in Berlin der Bestand zwischen 200 und 300 Brutpaaren, in Chemnitz sind es 90 bis 120 Brutpaare. Besonders in den Städten
tritt zunehmend durch Gebäudesanierungen und -abrisse ein Mangel an Nistplätzen auf. Dem kann man entgegenwirken durch den Einbau von Nisthilfen in öffentlichen Gebäuden wie Kirchen, Schulen oder Industriebauten.
Abschließend sei erwähnt, dass augenblicklich der Turmfalkenbestand stabil ist. Doch Sorglosigkeit ist wohl fehl am Platze. In der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands aus dem Jahr 2002 ist vermerkt, dass
von 1975 bis 1999 in Baden-Württemberg der Bestand des Turmfalken um mehr als 50 % zurückgegangen ist. Eine Abnahme um mehr als 20 % gab es in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen. Eine Zunahme des
Bestandes um mehr als 20 % ist nur für Berlin vermerkt.
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