|
Der Kleiber besiedelt mit Vorliebe Laub- und Mischwälder, Parkanlagen und Gärten mit altem Baumbestand. Sein Nest legt er in natürlichen oder von Spechten gezimmerten Baumhöhlen sowie in Nistkästen
an. Zu große Höhleneingänge verklebt (süddeutsch: kleibt) er mit Schlamm oder feuchtem Lehm und verkleinert sie so, dass er gerade noch einschlüpfen kann. Nach dem Trocknen entsteht eine stabile Verengung, die
selbst der Buntspecht nur mit Mühe aufbricht. In das Innere der Höhle trägt das Weibchen, manchmal auch das Männchen, kleine Rindenstücke, dünne Zweige, Kiefernnadeln und dürres Laub. Auf das locker
aufgeschichtete Nistmaterial legt das Weibchen sechs bis acht Eier, die von ihm in 15 bis 17 Tagen ausgebrütet werden. Die Nestlingszeit der Jungen dauert 22 bis 25 Tage, was verglichen mit anderen Kleinvögeln
relativ lang ist. Junge Blaumeisen oder Rotkehlchen brauchen dazu eine Woche weniger.
Ein wahrer Kletterkünstler Eine besondere Bewegungstechnik ermöglicht dem Kleiber, kopfunter an Baumstämmen hinabzuklettern. Dabei krallt er sich mit einem Fuß oben fest, und mit dem
anderen, vorgestreckten Fuß stützt er sich unten ab. Der kurze Schwanz hat den Vorteil, dass er nicht bei seinen Kletterkünsten an die Rinde oder Zweige stößt und sich dabei schnell abnutzt. Wer in das
Revier eines Kleiberpaares eintritt, wird bald mit einem kräftigen Lockton begrüßt, der sich etwa so wiedergeben lässt: "sitt-twit-twit-twit". Während die meisten Standvögel ihr Brutrevier nach der
Aufzucht der Jungen verlassen, bleibt das Kleiberpaar oft mehrere Jahre in ihrem auserwählten Territorium. Hier kann man die Vögel im Herbst nach dem Laubfall bis in das Frühjahr hinein gut bei der Nahrungssuche
beobachten. Rastlos klettert das Paar stammab und stammauf, um mit dem spitzen Schnabel aus den Rindenspalten Spinnen , Insekten und deren Larven herauszuziehen. Da im Winter diese Art der Nahrung knapp ist, kommen
Sämereien aller Art dazu. Besucher am Futterhaus bevorzugen Sonnenblumenkerne. Ein Kleiberpaar geht in der Regel eine lebenslange Partnerschaft ein. Die beiden Geschlechter kennen sich dadurch gut und haben
alle Voraussetzungen, um zu einem sicheren Bruterfolg zu kommen. Das scheint zu funktionieren, denn die Erhaltung der Art ist mit einer Brut und fünf bis acht Jungen gesichert.
Höhle dringend gesucht In unseren Wirtschaftswäldern sind alternde Bäume mit natürlichen Höhlen knapp. Nistkästen sind hier zwar hilfreich, bieten aber keine nachhaltige Besserung, denn
der Kleiber braucht nicht nur Höhlen zum Nächtigen und Aufziehen des Nachwuchses, sondern auch Nahrungs- und Deckungsmöglichkeiten. Diese lassen sich aber nur durch langfristige Maßnahmen schaffen. Dazu gehört
auch, dass an höhlenreiche und alternde Bäume nicht so schnell wie möglich die Motorsäge angesetzt wird. Mit einem naturnahen Wald schützt man den Kleiber und andere Höhlenbrüter wie Star, Schellente und
Trauerschnäpper am wirkungsvollsten. Dennoch müssen wir uns über den Bestand des Kleibers in Deutschland nicht sorgen. Experten schätzen die Anzahl der Brutpaare zwischen 600 000 und 1,4 Millionen. In Sachsen
sind es 30 000 bis 60 000 Brutpaare. Damit lebt mindestens acht Prozent der europäischen Kleiberpopulation in Deutschland. Allein davon lässt sich unsere besondere Verantwortung für die Art und ihren Lebensraum
ableiten.
|