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Auf jeden Fall war sie geprägt von überwiegend kleinen Feldern, auf denen auch in unserer Gegend die unterschiedlichsten Kulturen angebaut wurden: Kartoffeln, mehrere Getreidearten, Mohn, Lein, Raps,
zahlreiche Gemüsearten und Futterpflanzen, wie Mais, Sonnenblumen, Klee, Wicke, Futterrüben, Mischkulturen und Senf. Das bunte Bild der Feldparzellen wurde noch garniert mit verschiedenen Wildkräutern:
Klatschmohn, Kornrade, Kamille, Acker-Rittersporn, Kornblume u. a. Doch diese eher mittelalterliche Agrarlandschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten drastisch gewandelt. Aus vielen kleinen Feldern entstanden
nicht selten riesige Schläge von 20 oder 30 ha und mehr. Dadurch verschwanden viele Grenzbereiche zwischen den Feldern, Feldraine genannt, auf denen sich üppige Pflanzensäume mit Gräsern, Schafgarbe, Rainfarn,
Beifuß, Johanniskraut und teilweise auch mit Sträuchern entwickelten. Trotz Feldarbeiten herrschte auf den Feldrainen eine relative Ruhe. Schmetterlinge, Käfer und Spinnen fanden ihre Lebensbedingungen,
Feldhasen konnten sich verstecken, Feldlerchen und Rebhühner brüteten und zogen Junge auf. In den letzten 15 Jahren machte sich eine andere Veränderung negativ bemerkbar, die auch unsere Region voll erfasst
hat. Die Vielfalt im Feldbau wurde stark eingeschränkt. Wo gibt es noch Gemüse- und Kartoffelfelder? Wo werden noch in großem Umfang Grünflächen abgeweidet? Anstelle niedrig wachsender Kulturen, wie
Futterrüben, Mohrrüben, Kartoffeln usw. kamen dicht und hoch wachsende Feldfrüchte, wie Mais, Sonnenblumen, Getreide und Raps verstärkt zum Anbau. All diese Veränderungen hatten und haben natürlich
Auswirkungen auf verschiedene Wildpflanzen und Tiere. Bleiben wir beim Rebhuhn. Wo sollen diese taubengroßen, der Feldflur angepassten Vögel brüten und danach ihre Jungen aufziehen? Die Feldraine sind
weitestgehend verschwunden, Mais, Raps und Getreide wachsen schnell in die Höhe und bilden gerade für Jungvögel ein undurchdringliches Dickicht. Kurzum, die Lebensbedingungen für dieses Wildhuhn haben sich so
verschlechtert, dass ein katastrophaler Rückgang zu verzeichnen ist. Da in der Bewirtschaftung der Nutzflächen keine Veränderungen in Sicht sind, wird der Bestand auch weiterhin rückläufig sein.
Augenblicklich kann man in Sachsen noch mit etwa 2500 Brutpaaren rechnen. Das hört sich im Moment erst einmal keineswegs beängstigend an. Doch für die Größe des Landes (18412 km²) ist das ein geringer Bestand.
Deshalb ist die Art bundesweit und natürlich auch in der Roten Liste Sachsens unter „stark gefährdet“ eingeordnet. Der bedeutende sächsische Ornithologe Richard Heyder beklagt bereits 1952 in seinem Buch
„Die Vögel des Landes Sachsen“ den Bestandsrückgang und untermauert seine Feststellung mit den rückläufigen Jagdstrecken: 1935/36=90400 erlegte Rebhühner, 1936/37=86500, 1937/38=64100, 1938/39=54100,
1939/40=24600 Stück. Diese Zahlen drücken deutlich aus, welch ein dramatischer Bestandseinbruch in den letzten 65 Jahren zu verzeichnen ist. Schon weit früher, nämlich 1905, beklagt J. F. Naumann in seinem Werk
„Naturgeschichte der Vögel Mitteleuropas“ die Lichtung der Bestände beim Rebhuhn. Hat das Rebhuhn in unserer heutigen Kulturlandschaft überhaupt noch eine Überlebenschance? Aus den obigen Zeilen müsste
deutlich geworden sein, dass dem Vogel der Feldflur im Laufe der letzten 100 Jahre mehr und mehr der Lebensraum genommen wurde. Natürlich kann man die Agrarlandschaft nicht mehr so gestalten wie zu Beginn des
vorigen Jahrhunderts, doch Machbares gibt es. Das Rebhuhn braucht in der Agrarlandschaft Rückzugsgebiete. Das müssen nicht riesige Flächen sein, Kleinbiotope können schon viel bewirken. Diese gilt es zu
erhalten. Wo es Möglichkeiten gibt, müsste auch an eine Neuschaffung von Lebensräumen gedacht werden. Die geschaffenen oder erhaltenen Kleinbiotope bilden für das Rebhuhn Rückzugsgebiete, in denen die Tiere
Deckung finden, ihren Nachwuchs relativ störungsfrei aufziehen können und dort auch genügend Insekten und Wildkrautsamen für ihre Ernährung zur Verfügung haben. Sind erst einmal solche Lebensräume geschaffen
worden, dann dürfte es sich lohnen, durch Auswilderungsprogramme die Besiedlung zu unterstützen. Den Rebhuhnbestand auf eine reproduktionsfähige Größe zu heben, wird einer Einzelperson im Alleingang nicht
gelingen. Hier müssen Landwirte, Forstleute, Jäger und Naturschützer zielgerichtet zusammen arbeiten.
Vorschläge zur Biotopgestaltung für das Rebhuhn:
* Grabenränder in der Feldflur extensiv nutzen und nach Möglichkeit verbreitern; * Nassstellen belassen, sie großzügig gegenüber der Feldflur abgrenzen und den
Bewuchs zunächst der Natur überlassen, später aber regulierend eingreifen; * Streuobstwiesen extensiv nutzen;
* Gehölzinseln und Hecken in der Feldflur sich zumindest geringfügig ausweiten lassen;
* Steinhaufen, Ödland, ehemalige Sand- und Kiesgruben mit Brombeeren bepflanzen;
* Hecken, Gehölzinseln und Ruderalflächen auf wenig fruchtbaren Stellen anlegen.
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