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Herr Gottschlich schützt die Kraniche
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Die Zugvögel sind in der Oberlausitz wieder heimisch / Zu ihrem Betreuer haben die Tiere schon längst Vertrauen gefasst
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Von Stefan Rössel Veröffentlicht: Sächsische Zeitung vom 02.10.2005 Fotos: SZ/Joachim Rehle (hier Kopien aus der Sächsischen Zeitung
Die Kraniche sind in der Niederschlesischen Oberlausitz wieder heimisch geworden. 40 Brutpaare bringen regelmäßig den Sommer in diesem Revier zu. In diesem Wochen sammeln sie sich schon
wieder. Jeweils über hundert Kraniche treffen sich in der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft bei Klitten und gut 20 Kilometer weiter östlich in der Spreeheide. Sie kommen aus ihren Revieren in
der Heide- und Teichlandschaft, dem Vorfeld von Braunkohlegruben südlich von Weißwasser und aus polnischen Nistgebieten.
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Die ersten Fröste werden das Startsignal sein: In großen Schwärmen fliegen die Kraniche dann nach Süden. In Spanien suchen sie sich ihre traditionellen Winterquartiere. Mit der zunehmenden Wärme
sind viele auch fauler geworden und machen nördlich der Pyrenäen in den weiten Ebenen Südwestfrankreichs vor der Biskaya Halt. Damit geht auch die Saison für Ernst Gottschlich zu Ende. Der 55-Jährige betreut
die Kraniche im Niederschlesischen Oberlausitzkreis. In den Wochen Ende Februar und Anfang März legt er sich auf die Lauer, wenn die Vögel aus ihren Winterquartieren zurück zu den Sommersitzen kommen. Er
kontrolliert dann vor allem, ob alle Brutplätze wieder bezogen sind. Seit acht Jahren hat sich die Population bei etwa 40 Paaren stabilisiert, berichtet der Angestellte im Naturschutzreferat des Landratsamtes.
Schon mit sieben Jahren hatte ihm ein Vogelkundler die Liebe zur Natur beigebracht. 1972 ist er bereits als ehrenamtlicher Betreuer eingestiegen. Damals gab es zwei Paare nahe dem Elternhaus in Kreba, nur ganze zehn
waren es im Kreis. Wenn im April die Brut beginnt, hält sich Gottschlich zunächst einmal fern aus den Revieren. Er will möglichst Störungen von seinen Schützlingen fern halten, die sich ihre großen Nester
am Boden gleich auf der Wasserfläche bauen. „Wenn ich alleine komme, merken sie nur kurz auf. Ich glaube die kennen mich schon. Denn wenn ich jemanden mitbringe, werden die Vögel schon ziemlich unruhig.“ So
beobachtet er die Kraniche oft nur aus der Distanz. Das Fernglas ist daher eins seiner wichtigsten Werkzeuge. Zur Brutzeit haben sich die Kraniche mit ihrem silbern schimmernden Gefieder einen besonderen Schutz
angewöhnt. Sie tarnen sich mit Schlamm aus den Teichen, lassen ihn über Flügel und Körper fließen. So nehmen sie eine braungraue Farbe an und sind kaum von ihrer Umgebung zu unterscheiden. Erst wenn die Jungen
geschlüpft sind, bricht Gottschlich zur nächsten Inspektion auf: Wie viele Jungvögel gibt es in diesem Frühjahr, und wie viele von ihnen kommen durch, will er wissen. Die Gefahren für den Nachwuchs sind
zahlreich. Waschbären versuchen die Eier zu rauben. Füchse und Marder stellen den eben geschlüpften Jungvögeln nach. Die verlassen nämlich sofort das Nest und gehen im nahen Umkreis auf die Suche nach Nahrung.
In der Phase haben es die Altvögel natürlich schwer, ihre Jungen zu schützen. Zwei Wochen lang ist die Gefahr am größten, ist Gottschlichs Erfahrung. Danach hat es der Nachwuchs meistens geschafft.
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Sogar der Seeadler macht Jagd auf junge Kraniche, manchmal auch auf ausgewachsene Vögel. Vor drei Wochen musste Gottschlich eingreifen, als ein Seeadler aus der Nachbarschaft einen
Jungvogel gegriffen hatte, aber nicht halten konnte. Der kleine Kranich überlebte mit einem gebrochenen Flügel. Daraufhin blieben die Eltern fast ständig am Boden, um ihr angeschlagenes Kind nicht
schutzlos allein zu lassen. So wurde auch das Geschwisterkind nicht zum Flugtraining angehalten. Deshalb fing der Betreuer mit einigen Helfern den kranken Vogel ein, um den Bruch zu schienen und die
Verwandtschaft zum aufstieg in die Lüfte zu bewegen.
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Das gerettete Jungtier wurde erst einmal in einem schützenden Gehege untergebracht. Das war auch bei einem ausgewachsenen Kranich erforderlich, dem Gottschlich wegen eines Flügelbruchs erfolgreich
eine Schiene gesetzt hatte. Als der Flügel geheilt und der Vogel wieder in Freiheit gesetzt war, war er noch zu schwach, um sein ganzes Gewicht wieder in die Luft zu bringen. Einen Tag später lief der Vogel
Gottschlich wieder in die Arme. Auch organisatorisch bemüht sich Gottschlich um ein möglichst störungsfreien Leben für seine Kraniche zumindest in den kritischen Brutzeit. Normalerweise ist der beste Schutz
für sie, wenn niemand weiß, wo ihre Reviere sind - denn allzu oft treibt die Neugier Menschen in ihre Nähe. Aber mit den Forstämtern hält er Kontakt, dass sie die Nistgebiete nicht mit Holzeinschlägen
belästigen. Er spricht auch mit Jägern, die Reviere zu meiden. In dieser Saison hat Gottschlich etwas ganz Außergewöhnliches beobachtet: Ein Kranichpärchen brütete dreimal. Die ersten Kinder waren schon
nach kurzer Zeit verschwunden. Sofort machte sich das Paar an eine neue Brut. „Das passiert gelegentlich, aber nicht immer“, weiß der Betreuer. Als auch die zweiten Jungen nicht überlebten, machten sich die
Kraniche ein drittes Mals ans Werk. Davon habe er noch kein einziges Mal gehört, erzählt der Experte. Jetzt gibt es sogar zwei Risiken: Zum einen ist natürlich zu befürchten, dass die Jungvögel erneut die
kritische Phase nicht überleben. Aber selbst danach ist noch nicht gesichert, dass sie bis zum Vogelzug nach Süden stark genug werden, um den langen Flug zu bewältigen.
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