Fachgruppe Ornithologie Niesky

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Der Kormoran - “Eine unendliche Geschichte ?”

“... Tote Vögel, ... Wie schwierig es ist, sich als Politiker an die Wahrheit zu halten, bekommt zurzeit Umweltminister Stanislaw Tillich (CDU) zu spüren. Der will dem Drängen von Fischern nachgeben und künftig den Abschuss von hungrigen Kormoranen erlauben. Weil die blutige Methode für Protest sorgt, spricht Tillich aber lieber von “Vergrämung”, wenn er den Abschuss meint. An der Sache ändert das Wortspiel nichts. Jäger dürfen bald auf jeden Kormoran anlegen, bis sie endlich treffen. Dann hat das derart “vergrämte” Tier die Chance wegzufliegen. Wenn es stattdessen aber nur tot am Boden liegen bleibt, ist das dumme Federvieh natürlich selbst schuld. Tillich verteidigte sich jetzt gegen Kritiker mit dem Hinweis, sein Ministerium habe zuvor “mit allen Beteiligten” über die Neuregelung gesprochen. Nun ja, die Kormorane hat er offenbar nicht gefragt. Das grämt.”
Zitat aus: Sächsische Zeitung vom 20./21. Januar 2007, Gunnar Saft
Entwurf der Kormoranverordnung des Sächsischen Staatsminsteriums für Umwelt und Landwirtschaft

Seeraben geht's an den Kragen
Veröffentlicht: Sächsische Zeitung vom 27./28. Januar 2007; von Jenny Ebert
Kormorane dĂĽrfen nun ohne extra Antrag abgeschossen werden. Nicht alle sind von dieser MaĂźnahme ĂĽberzeugt.
Fischer haben eine ganz spezielle Meinung zu ihnen. "Weg mit dem Viechzeug", schimpft zum Beispiel Klaus Funke von der Teichwirtschaft Weigersdorf, "da hilft kein Verjagen." Er habe schon alles ausprobiert, wie er sagt: "Auch Vogelscheuchen hingestellt. Aber nach zwei Tagen merken die, dass der Mann da ihnen nichts tut." Und auch Dieter Bergmann von der Teichwirtschaft Klitten bezeichnet sie als "problematisch".

Fotos: W. Klauke, H. Bieberstein, H. BlĂĽmel,
J. Kasper

Die "schwarze Pest"
Die Rede ist von Kormoranen. Ornithologen sind froh, dass der einst bedrohte Vogel wieder häufig geworden ist. Fischer bezeichnen ihn gern als "Schwarze Pest".
Doch jetzt hat sich das sächsische Ministerium für Umwelt und Landwirtschaft positioniert. Und die Kormorane sind dabei nicht gut weggekommen. Denn nun dürfen die Vögel abgeschossen werden, ohne – wie bislang – eine Sondergenehmigung dafür beim Ministerium beantragen zu müssen. "Diese Praxis hat sich wegen des bürokratischen Aufwands nicht gelohnt", erklärt Umweltminister Stanislaw Tillich dazu. Oft seien die Schäden durch die Vögel eingetreten, bevor die Genehmigung erteilt wurde.
Somit sei diese neue Kormoranverordnung ein Kompromiss zwischen Fischerei und Naturschutz: "Denn nicht nur die Kormorane, sondern auch die Fische in den Fließgewässern und die Fischwirtschaft bedürfen unseres Schutzes." Jedes Jahr verursachen Kormorane in der Oberlausitz einen Schaden von etwa einer Million Euro.
Dennoch betont der Gesetzgeben, dass Teichwirte die Vögel nur schießen dürfen, wenn sie auch Besitzer eines Jagdscheines sind.
Franz Menzel reicht das nicht. "Wir Vogelkundler befürchten, dass die Ausübung der Jagd nicht nur nach dieser Verordnung geschieht, sondern es dabei auch viel Wildwuchs geben wird", sagt der Nieskyer, der mehrere Jahrzehnte die Fachgruppe Ornithologie leitete, "und Schäden für andere Vögel."
Abschuss allein nutzt wenig
Er denkt dabei zum Beispiel an die Gefahren, falls die Kormorane mit Bleischrot geschossen werden und die bleihaltigen Kadaver im Wasser verwesen oder von anderen Tieren gefressen werden. Generell erkennen jedoch auch Vogelfreunde das Problem der Binnenfischerei an.
Doch auch gegen den Beschuss der Seeraben generell gibt es Bedenken bei beiden Seiten. "Mit dem Abschuss allein ist es nicht getan", sagt Teichwirt Dieter Bergmann, "man müsste durch Kontrolle der Brutplätze die Zahl auf eine gewisse Anzahl reduzieren, das würde helfen." Und er schätzt, dass sich das Land mit dieser neuen Verordnung etwas aus der Verantwortung ziehen will.
Vogelkundler Franz Menzel sieht das ähnlich: "Das Problem muss die EU anfassen". Laut der Ringe, die die Vögel tragen, kämen viele von den Kormoranen hier aus Dänemark und den baltischen Staaten. "Ich glaube nicht, dass das Problem auf so einer kleinen Fläche überhaupt lösbar ist."
Bei der Teichwirtschaft Klitten wurden bislang jährlich 30 bis 40 Anträgen auf "Vergrämungsabschüsse" bewilligt, wie das Ungetüm früher bürokratisch hieß. "Wenn wir jetzt zehn Kormorane mehr abschießen, bringt das auch nichts. Und irgendwann muss man sich ja auch mal um die Fische kümmern", so Dieter Bergmann.

Schlafplatz des Kormorans an der Talsperre Quitzdorf mit max. ca. 800 Vögeln. Im Freistaat Sachsen halten sich zeitgleich ungefähr 2000 Kormorane, nicht wie z. B. in der Sächsischen Zeitung am 17. Januar 2007 fälschlicherweise angegeben bis zu 20.000 Vögel, auf.(J. Kasper)
Weitere Informationen auch unter www.vso-internet.de