Fachgruppe Ornithologie Niesky

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Bunte Visitenkarte am Fuß

Der Bestand des Graureihers hat sich in Sachsen seit 1980 fast vervierfacht.

Von Hans Blümel
Am Bahnhof 138, 02906 Mücka
Veröffentlicht am 22. April 2005, Sächsische Zeitung
Foto: Hans Blümel

Obwohl der Graureiher in Sachsen zu den häufigen Vogelarten zählt, ist es immer wieder ein faszinierendes Erlebnis, den im Uferwasser stehenden, mit ausholenden Flügelschlägen über den Teich rudernden oder auf einem Feld auf Mäuse lauernden storchengroßen Vogel zu beobachten.
Eigentlich strahlt der Graureiher etwas erhabenes mit innerer Ruhe aus. Doch das täuscht. Will man sich dem Vogel nähern, dann hat er uns bereits aus großer Entfernung entdeckt und fliegt mit großer Gelassenheit davon.

Jäger sagen oft, Reiher haben auf jeder Feder ein Auge. Sie wollen damit seine übergroße Vorsicht ausdrücken. In der Tat: Man kann sich einem Graureiher kaum auf 50 Meter nähern. Anders ist das beim Weißstorch, Mäusebussard oder den meisten kleineren Vögeln.
Durch strenge Schutzmaßnahmen ist der Graureiherbestand in den letzten Jahrzehnten beträchtlich angewachsen. In den siebziger Jahren war das nicht so. Damals gab es in Deutschland kaum mehr als 6000 Brutpaare. Durch umfangreiche Schutzmaßnahmen, aber auch durch veränderte Umweltbedingungen sind es bis heute etwa 28000 Brutpaare geworden. In Sachsen umfasst der Bestand 2000 Paare. Damit hat sich hier die Anzahl der Reiher seit 1980 fast vervierfacht.
Die in Mitteleuropa beheimateten Graureiher sind überwiegend Zugvögel. Sie überwintern vor allem in den Mittelmeerländern. Etwa 1,5 Prozent der beringten Vögel erreichen das westliche Afrika nördlich des Äquators. Der Rückzug erfolgt bereits Ende Februar, spätestens aber Anfang März. Trotz des kalten Winters sind bereits zahlreiche Vögel aus ihrem Winterquartier zurück und haben nach Frostmilderung mit dem Nestbau begonnen. Nach milden Wintern ist das Beziehen der Brutkolonien Ende Februar eine normale Erscheinung.
Der gestiegene Bestand der vergangenen Jahre führte zu kontroversen Diskussionen zwischen Fischern, Jägern und Naturschützern. Dabei merkte man, dass es an fundierten Kenntnissen zur derzeitigen Lebensweise des Graureihers mangelt. Es gibt Hinweise, dass sich ihr Zugverhalten und die Auswahl der Beutetiere an die aktuellen Verhältnisse angepasst haben. Zugwege werden verkürzt, es wird zeitiger mit dem Brüten begonnen, und es werden zur Ernährung häufiger Kleinsäuger erbeutet.
Um diese Veränderungen exakt nachzuweisen, wurde ein über fünf Jahre laufendes Farbmarkierungsprojekt des Vereins ProRing e. V. und der Beringungszentrale Hiddensee ins Leben gerufen, um die erwähnten Veränderungen in der Lebensweise der Graureiher mit konkreten Fakten belegen zu können.
Wegen der günstigen Zugriffsmöglichkeiten werden in der Regel noch im Nest befindliche Graureiher beringt. Sie erhalten über dem Intertarsalgelenk (das sich etwa 15 Zentimeter über den Zehen befindet) einen breiten grünen oder weißen Ring angelegt, der mit einem dreistelligen Code, bestehend aus Großbuchstaben oder Zahlen, gekennzeichnet ist. Diese Farbringe können auch aus größere Entfernung mit einem guten Fernglas abgelesen werden. In den letzten drei Jahren sind allein in Sachsen mehrere hundert Graureiher beringt worden, so dass man jederzeit mit markierten Vögeln rechnen kann.
Wer in unserer Region bei beringten Vögeln einen Code abgelesen hat, kann dies an die Telefonnummer 035893/6663 durchgeben. Neben dem Code sind noch von Interesse der Beobachtungsort und das genaue Datum. Die Daten gelangen an eine zentrale Stelle, von der der Beobachter Informationen über den von ihm gesichteten Vogel zugesandt bekommt. 

Informationen zum Projekt und zur Vogelberingung unter www.proring.de.