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Jäger sagen oft, Reiher haben auf jeder Feder ein Auge. Sie wollen damit seine übergroße Vorsicht ausdrücken. In der Tat: Man kann sich einem Graureiher kaum auf 50 Meter nähern. Anders ist das
beim Weißstorch, Mäusebussard oder den meisten kleineren Vögeln. Durch strenge Schutzmaßnahmen ist der Graureiherbestand in den letzten Jahrzehnten beträchtlich angewachsen. In den siebziger Jahren war das
nicht so. Damals gab es in Deutschland kaum mehr als 6000 Brutpaare. Durch umfangreiche Schutzmaßnahmen, aber auch durch veränderte Umweltbedingungen sind es bis heute etwa 28000 Brutpaare geworden. In Sachsen
umfasst der Bestand 2000 Paare. Damit hat sich hier die Anzahl der Reiher seit 1980 fast vervierfacht. Die in Mitteleuropa beheimateten Graureiher sind überwiegend Zugvögel. Sie überwintern vor allem in den
Mittelmeerländern. Etwa 1,5 Prozent der beringten Vögel erreichen das westliche Afrika nördlich des Äquators. Der Rückzug erfolgt bereits Ende Februar, spätestens aber Anfang März. Trotz des kalten Winters
sind bereits zahlreiche Vögel aus ihrem Winterquartier zurück und haben nach Frostmilderung mit dem Nestbau begonnen. Nach milden Wintern ist das Beziehen der Brutkolonien Ende Februar eine normale Erscheinung.
Der gestiegene Bestand der vergangenen Jahre führte zu kontroversen Diskussionen zwischen Fischern, Jägern und Naturschützern. Dabei merkte man, dass es an fundierten Kenntnissen zur derzeitigen Lebensweise des
Graureihers mangelt. Es gibt Hinweise, dass sich ihr Zugverhalten und die Auswahl der Beutetiere an die aktuellen Verhältnisse angepasst haben. Zugwege werden verkürzt, es wird zeitiger mit dem Brüten begonnen,
und es werden zur Ernährung häufiger Kleinsäuger erbeutet. Um diese Veränderungen exakt nachzuweisen, wurde ein über fünf Jahre laufendes Farbmarkierungsprojekt des Vereins ProRing e. V. und der
Beringungszentrale Hiddensee ins Leben gerufen, um die erwähnten Veränderungen in der Lebensweise der Graureiher mit konkreten Fakten belegen zu können. Wegen der günstigen Zugriffsmöglichkeiten werden in
der Regel noch im Nest befindliche Graureiher beringt. Sie erhalten über dem Intertarsalgelenk (das sich etwa 15 Zentimeter über den Zehen befindet) einen breiten grünen oder weißen Ring angelegt, der mit einem
dreistelligen Code, bestehend aus Großbuchstaben oder Zahlen, gekennzeichnet ist. Diese Farbringe können auch aus größere Entfernung mit einem guten Fernglas abgelesen werden. In den letzten drei Jahren sind
allein in Sachsen mehrere hundert Graureiher beringt worden, so dass man jederzeit mit markierten Vögeln rechnen kann. Wer in unserer Region bei beringten Vögeln einen Code abgelesen hat, kann dies an die
Telefonnummer 035893/6663 durchgeben. Neben dem Code sind noch von Interesse der Beobachtungsort und das genaue Datum. Die Daten gelangen an eine zentrale Stelle, von der der Beobachter Informationen über den von
ihm gesichteten Vogel zugesandt bekommt.
Informationen zum Projekt und zur Vogelberingung unter www.proring.de.
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