Fachgruppe Ornithologie Niesky

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Am Futterhaus herrscht Hochbetrieb

Amsel und Meise sind durch ihr Gefieder gut vor Kälte geschützt. Schwierig ist dagegen zurzeit die Suche nach Nahrung. Hier kann der Mensch helfen
Von Annett Preuß
PREUSS-ANNETT@DD-V.DE
Veröffentlicht Sächsische Zeitung 10./11.01.09
Fotos: J. Kasper

Kaum ist es hell geworden hüpft das Amsel- weibchen von Ast zu Ast. Von wegen Aufwärmübungen. Der riesige Wacholderstrauch in Nachbars Vorgarten bietet Nahrung. Der Amselfrau haben es die kleinen, wie blauen Beeren anmutenden Zapfen des Zypressen- gewächses angetan. Und wo der Schnee Schlupf-

löcher gelassen hat, wird der Vogel auch fündig. Die Suche nach Futter gestaltet sich für Meise, Spatz und Co. zurzeit schwierig. Am Boden lassen sich Samen unter der bis zu 20 Zentimeter dicken, harschen Schneeschicht nur schwer finden, geschweige denn ein nahrhafter Wurm. Kein Wunder, dass an den Vogelhäuschen der Region Hochbetrieb herrscht. “Werde ich zur Thematik Wildvogel-Fütterung im Winter gefragt, kommt von mir ein klares Ja”, sagt Jörg Kasper aus Klitten. Der Ornithologe sorgt in seinem “Vogelrestaurant” täglich für Nachschub: Sonnenblumenkerne stehen hier auf dem Speiseplan, gehackte Nüsse, Knödel, auch Äpfel. In der Hauptsache sind Nahrungsmangel die Ursache, überleben Vögel eine Kältewelle wie diese nicht, begründet er seine Einstellung. “Von alten und kranken Tieren abgesehen”. Denn die Natur hat die gefiederten Wesen auch für extremere Bedingungen ausgerüstet: Zwischen den Federn sitzen Luftpolster, und wärmen. Ist es klirrend kalt wie in der zu Ende gehenden Woche, plustern sich die Vögel zusätzlich auf. Ein Spatz sieht dann auch schon mal recht überfressen aus. “Doch das Aufplustern verstärkt den Schutz”, sagt Kasper. Kritisch könnte es jedoch werden, haben die Tiere als Folge von Futtermangel keine Fettreserven. “Die müssen sie am Tage aufbauen”, so Kasper: als Brennstoff für die Nacht. Ohne den helfen auf Dauer weder gemeinsames Kuscheln noch ein geschützter Schlafplatz. Dennoch ist auch der wichtig: “Deshalb ist es gut, Nistkästen bereits im Herbst zu säubern”, sagt Jörg Kasper. In Ermangelung natürlicher Baumhöhlen oder windgeschützter Plätze in dichten Hecken schlüpfen die Vögel in ihnen unter, gerne auch mal zu Fünft. “Unsaubere Kästen bergen die Gefahr, dass die Tiere von Parasiten befallen werden und erkranken.” Das kann auch am Futterplatz passieren, sagt Karin Riedel aus Horka, Zooinspektorin des Naturschutz-Tierparkes Görlitz. “Bevor Futter nachgefüllt  wird, sollten die  alten Reste entfernt und das Vogelhaus gesäubert  werden.” Hygiene sei das A und O.

Eine Meise befindet sich am Knödel, den Jörg Kasper hingehangen hat. Daneben das Futterbrett. Auch ein Vogelhaus hat der Naturschützer aus Klitten aufgebaut. Er sieht in der Winterfütterung einen guten Weg, Kinder für die Natur zu interessieren.

Greift der Mensch mit der Winterfütterung in die Natur ein? Die Frage spaltet selbst die Naturschützer. Karin Riedel ist kein kategorischer Gegner. Doch sie plädiert dafür, darauf nur unter bestimmten Bedingungen zurückzugreifen, einer geschlossenen Schneedecke etwa. “Sonst werden die Vögel verwöhnt und zu faul, sich auf natürliche Weise Nahrung zu suchen.” Davon gebe es auch bei starkem Frost genügend. In zunehmend gefegten Gärten nicht, sagen Befürworter der Winterfütterung. “Deshalb ist ein naturnaher Garten am besten”, sagt Jörg Kasper, “je verwilderter, desto besser.” Er ist seit 2001 Mitglied der Fachgruppe Ornithologie Niesky. Futtergaben seien ein kleiner Beitrag zum Schutz, “auch wenn der Artenrückgang dadurch allein nicht aufzuhalten ist”.