Fachgruppe Ornithologie Niesky

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Einsatz und Engagement für unsere heimatliche Natur

Niesky. Franz Menzel ist 70 Jahre geworden. In seinem Leben hat er sich unermüdlich für Tiere, Pflanzen und ihre Lebensräume eingesetzt.

Von Hans Blümel, Am Bahnhof 138, 02906 Mücka, E-Mail: h.bluemel@t-online.de
Veröffentlicht am 22. Oktober 2005, Sächsische Zeitung
 

Franz Menzel wurde kürzlich 70 Jahre alt
Foto: H. Blümel

In der zweiten Augusthälfte war Ödernitz Schauplatz eines nicht alltäglichen Ereignisses. Am 21. August dieses Jahres hatten sich dort am späten Nachmittag 160 Weißstörche zur Rast eingefunden. Als Franz Menzel davon erfuhr, gab es für ihn kein Halten. „Bewaffnet“ mit Fernglas, Spektiv und Notizblock fuhr er zum Ort des Geschehens. Nicht etwa, um zu schauen, sein Interesse galt den Störchen, die am Fuß einen Ring tragen. Auf ihm ist groß und mit dem Spektiv lesbar eine Nummer zu erkennen, die beispielsweise über den Beringungsort und das Alter des Vogel Auskunft gibt. Für das Sammeln solcher Daten ist natürlich eine konzentrierte Versammlung der Störche eine wahre Fundgrube, die sich Franz Menzel und sein Mitstreiter Werner Klauke nicht entgehen ließ.

Ringe ablesen kann aufwendig sein

Laien könnten meinen, dass das Ablesen der Ringe mit einem leistungsstarken Fernglas kein Problem sein kann. Die Erfahrungen der beiden Ornithologen sind andere. Franz Menzel hat schon viele abgelesen und muss es wissen: „Ringe ablesen ist immer wieder eine Aktion, die 30 Sekunden dauern kann aber auch Tage.“ Es kann tatsächlich beschwerlich werden, wenn der Vogel im Gras steht oder ein Bein die Sicht zum Ring ganz oder teilweise versperrt. Geduld ist dann gefragt, die über Stunden dauern kann.
Am Ende waren die beiden Ornithologen zufrieden. 19 markierte Störche konnten identifiziert werden. Nun warten sie auf die Daten der Vogelwarte, um zu erfahren, wo und wann die Beringung erfolgte. Erst dann lassen sich beispielsweise nähere Angaben zum Zuggeschehen machen.
„Wenn ein Storchentrupp am Nachmittag ankommt“, so Franz Menzel, „dann wird dieser in der näheren Umgebung übernachten. Für eine Ablesung der Ringe bleibt dann in der Regel wenig Zeit. Mit ihrem Weiterzug kann man dann am nächsten Vormittag rechnen. Kündigt sich eine Storchenansammlung an, dann wünscht sich Franz Menzel in jedem Fall, dass man ihn unverzüglich telefonisch verständigt.

46 Jahre lang Leiter der Fachgruppe Ornithologie Niesky

Am 5.Juli 1958 wurde die Fachgruppe Ornithologie Niesky gegründet. Franz Menzel war dabei. Er wurde zum Vorsitzenden gewählt. Sicherlich hat er damals nicht geahnt, dass er bis zum 22.Oktober 2004, also 46 Jahre lang, dieses Amt inne haben wird; zum Glück, können die Mitglieder heute ohne Reue sagen. Mit Ruhe und Besonnenheit hat er die Fachgruppe auch durch schwierige Zeiten gebracht. Inzwischen habe jüngere Mitglieder die Leitung übernommen. Ihr Glück ist, dass sie sich der Unterstützung des einstigen Vorsitzenden sicher sein können.
Franz Menzel interessiert sich nicht nur für den Weißstorch.. Er beschäftigt sich mit dem gesamten Spektrum der Ornithologie. Als ausgezeichneter Beobachter konnte ihm natürlich die Einwanderung des Karmingimpels in unsere Region nicht entgehen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass er 1993 bei Diehsa den ersten Brutnachweis erbringen konnte. Auch gelang ihm in der Vergangenheit mehrmals den Mittelspecht am Brutplatz zu beobachten. Den Zwergschnäpper hat er in den Königshainer Bergen und auf der Hohen Dubrau festgestellt, ohne dass ihm bisher der sichere Brutnachweis gelang. Beim Feststellen solcher Raritäten kommen dem 70jährigen Ornithologen die Gesangskenntnisse der Vögel zunutze. Es dürfte wohl kaum einen heimischen Vertreter geben, den Franz Menzel nicht an seiner Stimme erkennt.
Wie ist das bei den Menzels mit dem Urlaub? Franz ist Ornithologe, seine Frau dagegen interessiert sich vorrangig für die Botanik. Mehr noch, der Ehemann ist auch botanisch interessiert und umgekehrt möchte die Ehefrau die ornithologischen Beobachtungen nicht missen. So ist bei all den Reisen, die die beiden nach Norwegen, Irland, in die Schweiz, auf die Kanaren, nach Griechenland und in viele Gegenden Deutschlands unternommen haben, das Interesse an der Natur der gemeinsame Nenner.

Als Ornithologe 33 populärwissenschaftliche Arbeiten verfasst

Franz Menzel hat viele seiner Beobachtungen niedergeschrieben und damit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. So kann sich jeder über unsere heimischen Grasmücken oder über die Vogelwelt der Talsperre Quitzdorf informieren. Von 1961 bis 1996 hat er alljährlich verschiedene Daten über das Brüten des Weißstorches im Altkreis Niesky zusammen getragen und ebenfalls in den Abhandlungen des Naturkundemuseums Görlitz veröffentlicht. So sind im Laufe seines Lebens 33 Arbeiten entstanden, die das Wissen über unsere heimische Vogelwelt bereichern. Nicht verwunderlich ist deshalb, dass Franz Menzel im Verein Sächsischer Ornithologen und im Naturschutzbund Deutschland Mitglied ist und der Naturforschenden Gesellschaft der Oberlausitz sowie der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft angehört.
Schließlich sind noch die Feierlichkeiten zu seinem 70. Geburtstag zu erwähnen, denen er beim besten Willen nicht ausweichen konnte. Wohl zu viele wären den weiten Weg nach Niesky umsonst gefahren. Anwesend waren nicht nur die Ornithologen der näheren Umgebung, sondern auch solche aus Dresden, Radebeul und Neschwitz. Franz Menzel war gerührt über so viel Aufmerksamkeit, Anteilnahme und Ehrung.